Seumes Passagen

Dunkel liegt die Zukunft vor uns - Das geheime Kriegstagebuch des Siemens-Managers Hans Henning von Pentz

Buchcover Dunkel liegt die Zukunft vor uns

Beschreibung

„Meine klare Erkenntnis über die tiefe Unmoral von Hitler und seinen Mitarbeitern setzte von vornherein ein. Zunächst hatte ich die Hoffnung, dass dieses Regime sich nur ein bis zwei Jahre halten würde. Diese Hoffnung gründete sich im Wesentlichen darauf, dass die Leitung der Wehrmacht, die oberen Beamten, die Wissenschaft und die Industrie diesen Weg nicht lange mitgehen, in Opposition treten und das System abschütteln würden. Hierin habe ich mich getäuscht.“

Diese eindrucksvollen Sätze schreibt ein Zeitzeuge in sein Tagebuch, dem man es von seinem Stand und seiner Herkunft nicht unbedingt zugetraut hätte. Hanns Henning von Pentz (1890 – 1982) entstammte einem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht, kämpfte als preußischer Offizier im 1. Weltkrieg in Frankreich und war ab 1933 Vorstandsmitglied der Siemens-Plania Werke AG, einem Unternehmen für Kohlefabrikate wie Graphitelektroden in Berlin-Lichtenberg, Ratibor (Schlesien) und Meitingen (Bayern). In seinen Aufzeichnungen hält er seine persönlichen Gedanken, Beobachtungen und Reflexionen über die Ereignisse in den Jahren 1939 bis 1945 fest.

Seine Nachfahren haben die Tagebuchaufzeichnungen dem Journalisten Volker Hildisch zur Auswertung überlassen. Der Seume-Verlag hat die von ihm bearbeitete Fassung als Buch veröffentlicht, das neben der Kommentierung von Kriegsereignissen auch Beobachtungen des täglichen Lebens, Sorgen und Ängste um die Familie und Begegnungen mit Freunden und Bekannten enthält. Hans Henning von Pentz war verheiratet mit Wilhelmine von Windheim (in den Tagebüchern Wiwi genannt), sie hatten vier Kindern. Zum näheren Freundes- und Bekanntenkreis gehörten u.a. der deutsche General und letzte Kanzler der Weimarer Republik, Kurt von Schleicher, der 1934 von den Nazis ermordet wurde, und der General und Nazi-Gegner Kurt von Hammerstein sowie der Widerstandskämpfer General Erwin von Witzleben. Von Pentz und seine Frau, die in Berlin-Dahlem wohnten, verkehrten regelmäßig in der St. Annen-Kirche in Dahlem, wo der Theologe Hellmut Gollwitzer nach der Verhaftung von Martin Niemöller tätig war und die zum Treffpunkt der Anhänger der „Bekennenden Kirche“ wurde. Seine Aufzeichnungen sind damit nicht nur ein persönliches und historisches Zeugnis, sondern auch ein spezieller Blick auf das Leben regimekritischer Kreise im Bürgertum und im Unternehmertum während der Naziherrschaft in Deutschland.

Video Buchvorstellung

Autor

Volker Hildisch Portrait

Volker Hildisch

Volker Hildisch, Jahrgang 1950, Journalist, Filmautor und Publizist, wurde in Westfalen geboren, wuchs im Fürstentum Schaumburg-Lippe auf, studierte in Hannover Germanistik und Politik. Nach Volontariat und den ersten Jahren als Zeitungsredakteur zog er 1986 von der Leine an die Saar. Es folgten 30 Jahre beim Hörfunk- und Fernsehen des Saarländischen Rundfunks, in denen sich der Autor vor allem der Landespolitik widmete und darüber auch für zahlreiche deutsche Tageszeitungen schrieb. Hier an der Grenze zu Frankreich entwickelte sich aber auch seine Leidenschaft für gutes Essen und den Wein. Die Anbaugebiete von Mosel, Saar und Pfalz lagen vor der Haustür. Sie sowie Frankreich und Italien wurden Wein trinkend durchstreift und entdeckt. Später entstanden zahlreiche Weinfilme über die besten Weingüter und Winzer in Europa – sozusagen als Ausgleich für die Politik.


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