Briefe aus Ghana Teil 1

Catharina-E. Comberg // Oktober 2022

Herzliche Aufnahme in Ghana. Catharina-E. Comberg mit ihrer Gastfamilie (© Foto: Catharina-E. Comberg)

Catharina-E. Comberg nimmt uns mit nach Afrika und berichtet ein Jahr lang von ihrem Freiwilligendienst in Ghana. Was passiert in so einem Jahr? Wir sind gespannt auf ihre Erfahrungen und neu gewonnenen Sichtweisen in der Seume JOURNAL Miniserie.

„Akwaaba obronie. Wo ho te sεn´?“

Diese Worte sind in Twi, einer der bis zu 100 Amtssprachen Ghanas, geschrieben. Sie bedeuten „Willkommen weißer Mensch. Wie geht es dir?“ Die Anrede als „Weiße“ ist dabei übrigens vollkommen eine wertfreie Bezeichnung. Genau so werde ich seit einigen Tagen angeredet, wenn ich zur Arbeit gehe. Denn am 10.09.2022 habe ich meinen zwölfmonatigen Freiwilligendienst in Ghana begonnen. Mein Name ist Catharina, ich bin 18 Jahre alt und seit wenigen Monaten eine frisch gebackene Abiturientin aus Saarbrücken. Mit dem Verlag: J.G. Seume habe ich verabredet, dass ich in unregelmäßigen Abständen auf dem Seume-JOURNAL darüber berichte.

Warum habe ich mich für so eine ungewöhnliche Art eines Auslandsjahres entschieden? Zwar könnte ich jetzt edle Motive auflisten, die sicherlich auch in meine Entscheidung hineingespielt haben. Ehrlicherweise muss ich aber zugeben, dass Beweggrund Nummer eins Neugier ist. Einen Kulturschock zu provozieren, sich einem Stresstest in völliger Fremde auszusetzen, eine zur deutschen völlig konträre Lebensweise zu erfahren und dadurch neue Perspektiven auf die Welt zu gewinnen, klingt jedenfalls für mich nach Abenteuer. Ein weiterer gewichtiger Faktor für meine Wahl war außerdem ein mit dem Projekt verbundener Selbsttest. Bevor ich nämlich meinen aktuellen Berufswunsch – Ärztin - zu verwirklichen versuche, will ich herausfinden, wie ich damit umgehe, mit Krankheit und Behinderung konfrontiert zu werden. Darum hat mich die Idee von einem Jahr sozialer Arbeit in Afrika sofort fasziniert. So. Jetzt aber genug über mich und zu den Fakten.

Zunächst ein paar Worte zu dem Programm, an dem ich teilnehme: Beworben habe ich mich bei der deutschen Organisation „ICJA“ (Internationaler Christlicher Jugend-Austausch) für das Förderungsprogramm „weltwärts“, welches zum Großteil durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird. Es stellt einen Teil der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika dar. ICJA hat so zeitgleich (mit mir) 18 Freiwillige aus Deutschland in soziale Projekte wie Kindergärten, Schulen und Waisenheime in Ghana verteilt. Auf diesem Wege bin ich auf meinen Wunsch hin zur Heilsarmee gestoßen, für die ich das nächste Jahr lang unentgeltlich arbeiten werde.

Logo der Heilsarmee „The Salvation Army“ (© gemeinfrei, wikipedia.org)

Die „Salvation Army“ ist eine christliche Freikirche, die ihren Ursprung vor knapp 160 Jahren in Großbritannien hat und heute weltweit medizinische und soziale Zentren unterhält. Eine dieser Einrichtungen ist das Rehabilitationszentrum in Agona Duakwa im Süden Ghanas, etwa 70 km westlich von der Hauptstadt Accra. Hier wird sich in einem Krankenhaus, einer Werkstatt für Hilfsmittel, einer Geburtenstation und durch psychologische, orthopädische und physiotherapeutische Dienste um körperlich behinderte Menschen gekümmert. Vor allem Kinder sind die Zielgruppe der medizinischen Arbeit, um ihnen so früh wie möglich Zugang zu Bildung und Gemeinschaft zu ermöglichen. Hier wird gezielt gegen Diskriminierung und Stigmatisierung von gesellschaftlich benachteiligten Gruppen gearbeitet und aktiv Inklusion betrieben.

Glücklicherweise kümmert sich die Heilsarmee auch um mich: Die Familie eines Offiziers der Heilsarmee hat mich ausgesprochen herzlich aufgenommen und versorgt mich während meines Freiwilligendienstes. Große Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sind allgemein etwas, das mir hier gleich zu Beginn besonders aufgefallen ist. Meine Gastfamilie bestehend aus Christiana und Michael mit ihren Kindern Ernestina, Lawrencia, Rahel und Michael unterhält auf dem Gelände des Rehabilitationszentrum neben Christianas Nähstube auch eine ghanaische Version eines deutschen Tante-Emma-Ladens.

Ghanaische Version eines deutschen Tante-Emma-Ladens (© Foto: Catharina-E. Comberg)

Die Familie wohnt nur 15 min Fußweg von meinem Arbeitsplatz entfernt. Das Haus meiner Gastgeber ist dabei für hiesige Verhältnisse recht groß. Von einem großen Innenhof gehen Küche, Bad, Wohn- und Schlafräume zu den Seiten ab. Mir steht sogar ein eigenes Zimmer zu. Mit stabiler Internetverbindung, fließendem Wasser und Elektrizität bin ich übrigens ebenfalls versorgt.

Waschtag (© Foto: Catharina-E. Comberg)
© Foto: Catharina-E. Comberg

Soviel sei zu meinem Ausgangspunkt gesagt. In den nächsten Monaten werde ich über Ghana, seine Kultur, meine Erfahrungen und meine Arbeit berichten, also seid genauso gespannt darauf, wie ich es bin.

„Byebye, wobε te menka enkyε“ („Auf Wiedersehen, ihr hört bald von mir“).

Catharina-E. Comberg

Catharina-E. Comberg, geboren 2004 in Saarbrücken, besuchte bis 2022 das Gymnasium Marienschule Saarbrücken und erwarb dort abschließend das Abitur. Nachdem sie an mehreren Schüleraustauschprogrammen nach Frankreich teilnahm und zwei Monate in Südafrika die Schule besuchte, verbringt sie seit September 2022 einen zwölfmonatigen Freiwilligendienst in Ghana. Ihre „Briefe aus Ghana“ berichten von ihren kulturellen, kulinarischen und gesellschaftlichen Erfahrungen sowie ihrer Arbeit in einem medizinischen Zentrum der Heilsarmee.

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