Demokratisch bis zum Anschlag

Peter Winterhoff-Spurk // November 2025

Ein Buch über Philipp Jakob Siebenpfeiffer, Johann Georg August Wirth und den Vormärz in der Rheinpfalz

Philipp Jakob Siebenpfeiffer (links), Abb. Auf dem Hambacher Tuch, Johann Georg August Wirth (rechts), Abb. Auf dem Hambacher Tuch

Mit ihren Revolutionären haben es die Deutschen nicht so.

Wer wüsste schon, was dem Bauernführer Heinrich Pfeiffer im Jahr 1525 geschah, wenn nicht die Thüringische Landesregierung ihre diesjährige Landesausstellung der Revolution des gemeinen Mannes – dem Bauernkrieg - gewidmet hätte. Wer erinnert sich noch an Robert Blum, den am 09. November 1848 in Wien hingerichteten Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung? Wer kennt noch den Namen Karl Artelt, Anführer des Kieler Matrosenaufstandes 1918? Und wer waren nochmal die Leipziger sechs?

Schon insofern ist es verdienstvoll, dass der Journalist Wolfgang Kerkhoff jetzt ein Buch über die frühen 1830er Jahre – den Vormärz – in der Rheinpfalz vorgelegt hat, das im Conte Verlag (St. Ingbert) erschienen ist. Im Mittelpunkt steht darin der Jurist und Journalist Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, der Organisator des Hambacher Festes 1832. Er und sein Mitkämpfer Johan Georg August Wirth, auch er Jurist und Journalist, waren die treibenden Kräfte der demokratischen Bewegung in der Rheinpfalz.

© Volker Schmidt-GLIAUGIR

Kerkhoff beschreibt die Ereignisse jener Jahre in einem leicht lesbaren, oft vergnüglichen Stil. Einfache, gelegentlich etwas flapsige Sätze machen das Lesen leicht. Auch junge Leser werden so angesprochen. Er geht nahe an seine Figuren heran, wird oft anekdotisch, stellt die Dinge aber immer wieder in einen historischen Kontext. Ein Vorwort des Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Jörg Bong – unter dem Namen Jean-Luc Bannalec erfolgreicher Krimi-Autor – vermittelt eine allgemeine, auf den Text vorbereitende Orientierung.

Auch formal ist das Buch sehr leserfreundlich: Ein Hardcover, das gut in der Hand liegt, ansprechendes Papier, eine schöne Schrift und schwungvolle Illustrationen zu Beginn eines jeden Kapitels – das Buch ist bemerkenswert aufwendig gestaltet. Da haben sich die herausgebende Siebenpfeiffer-Stiftung und ein Sponsor nicht lumpen lassen.

Einzig der Titel ist ungeschickt gewählt. ‚Demokratisch bis zum Anschlag‘ - ist da jemand bis zu einem Attentat demokratisch und danach nicht mehr? Beendet eine öffentliche Bekanntmachung einen demokratischen Prozess? Ist eine Person so demokratisch, wie es eben nur geht? Der Untertitel ‚Stürmische Jahre der Saarpfalz‘ erklärt das nicht.

Äußerlich lässt die Größe des Buchs (20x28 cm) es wie ein ‚coffee-table-book‘ wirken – und das ist gut so. Es sollte in Wohn- und Wartezimmern ausliegen, zum Durchblättern und Hineinlesen anregen, denn es fängt den Leser schnell ein. Da es mit einem Preis von € 20,-- auch ausgesprochen preiswert ist, ist zu hoffen, dass es so zum anschließenden Kauf lockt.

Heinrich Pfeiffer, Robert Blum, Karl Artelt mögen in Vergessenheit geraten sein. Die Erinnerung an die demokratischen Revolutionäre Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johan Georg August Wirth aber haben Wolfgang Kerkhoff und die Siebenpfeiffer-Stiftung aufgefrischt und damit nachhaltig daran erinnert: ‚Freiheit muss auf Erden/ jeden Tag errungen werden‘ (Ludwig Harig).

Chapeau!

Wolfgang Kerkhoff (2025). Demokratisch bis zum Anschlag. Stürmische Jahre der Saarpfalz. St. Ingbert: Conte. ISBN 978-3-95602-299-9.

© Buchcover Demokratisch bis zum Anschlag. Wolfgang Kerkhoff (2025)

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