Der Künste Macht
Am Hof des Fürsten Balduin
die Zeiten waren rau und kalt
verdiente sich ein Harlekin
den kargen Lebensunterhalt
Karsten hieß der Humorist
im Dienste des Regenten
war tief im Herzen Anarchist
mit ungewöhnlichen Talenten
Wie es seinesgleichen wohl gelingt
wenn künstlerisches Streben
zu allerhöchster Leistung zwingt
das hilft zu überleben
Eines Tages noch im Bett
rief schlecht gelaunt der Potentat:
Statt Ironie und Kabarett
schlag heute vor mir einen Rat
Der Pöbel plant den Widerstand
berichten Informanten
es murrt und gärt im ganzen Land
verdammte Querulanten
Man müsste meucheln alle Mann
doch wer zahlt dann die Steuern
wenn ich nur könnte wie ich kann
ich ließe auf sie feuern
Wie wär’s, mein Fürst, mit einem Fest
den Pöbel abzulenken
wer Spaß hat, der vergisst den Rest
vor allem nachzudenken
Holt fahrend Volk in euren Haus
sie sind recht leicht gedungen
zu unterhalten Mann und Maus
das ist seit je gelungen
Nutzt die Kunst und deren Waffen
öffnet Herzen Tor und Tür
Menschen lieben es zu gaffen
zahlen sogar Geld dafür
Der Fürst fand die Idee famos
und ging dem Narren auf dem Leim
die Story geht jetzt richtig los
das ändert auch den Reim
1. Akt: Im Männerklo
Die dicke Frau von Dario Fo
Sebastian Hartmann führt Regie
Sandra Hüller fett wie nie
beklagt: Du bist ein Tyrann!
und sieht dabei den Fürsten an
Im Hintergrund am Urinal
Marcel Duchamp mit rotem Schal
schraubt's ab und präsentiert
als Kunstwerk dieses ungeniert
auf einem Sockel steht es dann
und sieht dabei den Fürsten an
Plötzlich steht vor Sandra Hüller
Oscar Wilde mit einem Füller
malt zum Publikums Entzücken
ihr ein Bildnis auf den Rücken
man erkennt sofort den alten Mann
und sieht dabei den Fürsten an
2. Akt: Ein Flügel schwebt
zur Bühne und wird festgeklebt
gemeinsam singt mit Georg Kreisler
Pippi Langstrumpf Weil und Eisler
gurrt wie’s eine Taube kann
und sieht dabei den Fürsten an
Mit einem sonderbaren Fahrgestell
tanzt nun Nurejew die Giselle
zu Schönbergs Psalm für Sprecher
trinkend einen Schierlingsbecher
hebt Sokrates zu sterben an
und sieht dabei den Fürsten an
Mit einem Mal war’s finstre Nacht
und mühsam Erich Mühsam macht
ein Feuer an für eine Fackel
schief im Gang grad wie ein Dackel
kommt ein Mädchen zu dem Mann
und sieht dabei den Fürsten an
3. Akt: Ein armer Schlucker
sitzt vor einem Laserdrucker
Blätter fliegen wie Zitate
aus Kurt Schwitters Ursonate
Rakete bee bee
Rakete bee zee
Pippi Langstrumpf kann’s nicht glauben
Georg Kreisler füttert Tauben
Sokrates weiß gar nichts mehr
Nurejew stolpert hin und her
Oscar Wild springt aus dem Bild
Duchamp benimmt sich mehr als wild
Sandra Hüller endlich schlank
spielt Sandra Hüller Gottseidank
Schönberg singt den 12. Ton
Mühsam ruft durchs Megafon
Reeevoooluuutiooon
nieder brennt des Fürsten Thron
Was dann geschieht, ich halt mich kurz
das nennt man einen Fürstensturz
die Bürger gleichsam inspiriert
sind jetzt zur Herrschaft animiert
und Karsten unser Komödiant
zum bunten Kanzler ist ernannt
Und schließlich die Moral des Ganzen:
freie gleiche Brüder tanzen
mit den Schwestern Hand in Hand
weil die Künste sie verband
da sieht man mal was Künstler schaffen
wenn sie nicht auf die Gage gaffen
Dr Ginsde Macht
Am Hof des Ferschdn Balduin
middn in dr Schwemme
verdiende sich ä Harlegin
ne dinne Buddrbemme
Garschdn hieß dr Humorist
im Diensde des Regendn
war eeschendlich ä Anarchist
geseeschnet mit Dalendn
Wies ieblich is bei solschn Leidn
liefrn sich hibsch selbst ans Messr
schon um Ärgschr zu vermeidn
Ginsdlr genns nu mah nich bessr
Eenes scheen Daches schrie
dr schlecht gelaunte Potentat
heer mr off mit Ironie
un gib mr mal nen gudn Rat
De Leide draußn wärdn frech
so meent dr Staatsschutz im Geheimen
saache mah das is doch Blech
ich gann mr gar nischts daruff reimen
Die geheern ab in Gnast
doch wer berabbt dann meine Schteiern
wenn ichs nur gennde ohne Hast
nuff an Galchen dätsch se leiern
Wie wärs mah mit nr riesn Fede
die de Leide lässt vrgessn
gebdn was das macht se bleede
un dazu ooch was zu fressn
Holt eich Ginsdlr in de Bude
billisch sind se leichd zu grieschn
änne Schoh ne dierisch guhde
wirdn Leidn grad genieschn
Wenn se erschd besoffn sinn
von Firlefanz und Zauwerei
sähn se nisch mähr zu dir hin
un dr Ärschr is vorbei
Dr Ferschd fand de Idee famos
un ging däm Narren uffm Leim
nu gehd de Schose richtsch los
das ändrt oochn Reim
Erschdr Akt: Im Männerklo
Die dicke Frau von Dario Fo
Hartmanns Basti macht Regie
Hüllers Sandra fett wie nie
bläkt: Du bist ä Dyrann!
un glotzt dabei n Ferschdn an
Im Hintergrund am Urinal
Marcel Duchamp mit rotm Schal
mährts ab un präsndiert
als Gunstwerk dieses ungeniert
uff eem Sockel schteht es dann
un glotzt dabei n Ferschdn an
Blätzlisch laatscht zu Sandra Hüller
Oscar Wilde mit ännem Füller
malt gemietlich mit Entzicken
der ä Bildnis offm Ricken
mr ergennt sofort dn aldn Mann
un glotzt dabei n Ferschdn an
Zweedr Akt: Ä Flieschl schwäbt
zur Biehne un werd festgegläbt
droff trällrt laut mit Georg Kreisler
Pippi Langstrumpf Weil un Eisler
gurrt wies änne Daube gann
un glotzt dabei n Ferschdn an
Mit nem sonderbarn Fahrgeschtell
hubbt nu Nurejew de Gisell
zu Schönbergs Psalm fier Schbrechr
gulgrnd ännen Schierlingsbechr
fängt Sokrates zu schtärbn an
un glotzt dabei n Ferschdn an
Uff eema wurds finstre Nacht
un mühsam Erich Mühsam macht
ä Gnäckrschn fier änne Faggl
schief im Gang so wie ä Daggl
gommt ne Gleene zu dem Mann
un glotzt dabei n Ferschdn an
Driddr Akt: Ä armer Schlucker
flätzt sich vor nen Laserdrucker
Bläddr flieschn wie Zidate
aus Kurt Schwitters Ursonate
Rakete bee bee
Rakete bee zee
Pippi Langstrumpf ganns nisch gloobn
Georg Kreisler flieschd nach oobn
Sokrates weeß gar nischds mehr
Nurejew säbbelt hin un her
Oscar Wild hubbt ausm Bilde
Duchamp benimmtsch mähr wie wilde
Hüllers Sandra widdr schlank
spielt Hüllers Sandra Gottseidank
Schönberg singt dn Zwelfdn Ton
Mühsam midm Megafon
bläkt Reeevoooluuutzschiooon
fagglt ab des Ferschdn Drohn
Was nu geschieht, ich saachs mah so
das is ä Ferschdsturz von Weltniwo
de Leide alle inschbiriert
sinn nu zur Härrschaft animiert
un Garschdn unsr Gomödiant
zum bundn Ganzler is ernannt
Nu fraacht mr sich was soll das Ganze:
alle treffn sich zum Danze
Brieder Schwästern Hand in Hand
weil de Ginsde se verband
so was gann ähm nur geschähn
wenn Ginsdlr geene Gasche nähm
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