100 Jahre das „Neue Frankfurt“ (1925 - 1930) - Stadtentwicklung auf dem Weg in die Moderne
Auch wenn Sie nicht in Frankfurt leben, ein Stück „Neues Frankfurt“ haben Sie vermutlich in Ihrer Wohnung: Sehen Sie sich doch mal Ihre Küche an. Das ist die Großmutter:
Aber der Begriff „Neues Frankfurt“ umfasst viel mehr, als nur eine Küche: Es handelte sich um ein gigantisches Projekt moderner Stadtplanung: Ästhetisch, sozial, politisch und ökologisch, umgesetzt zwischen 1925 und 1930. Gebaut in einer heute unvorstellbaren Geschwindigkeit: Innerhalb von nur 5 Jahren entstanden mehr als 12.000 Wohnungen, alle radikal modern durchdacht, geplant und gebaut.
Der 1. Weltkrieg ist verloren, die alte Gesellschaftsordnung kollabiert, sicher geglaubte Werte und Lebensentwürfe lösen sich auf. Es herrschen teils bürgerkriegsähnliche Zustände. Die enormen Lasten des Versailler-Friedensvertrages müssen verkraftet werden, eine Hyperinflation ist gerade überstanden, viele Häuser sind zerstört und in den vorhandenen Unterkünften herrschen desaströse Hygiene-Bedingungen.
Die anziehende Industrialisierung bringt zunehmend mehr Arbeitssuchende in die Stadt. Viele Männer sind im Krieg gestorben und zahlreiche Frauen zieht es in die Stadt, weil sie arbeiten müssen und wollen. Es braucht dringend mehr gesunden Wohnraum als Ersatz für die maroden Wohnungen im Zentrum, aber auch für die neuen Arbeitssuchenden. Und neue Arbeitsplätze müssen her, Betriebe angesiedelt, Steuern generiert werden.
Die Ära des „Neuen Frankfurt“ beginnt mit Ludwig Landmann (1868 – 1945), Oberbürgermeister von Frankfurt:
„Wir leben in Zeiten bitterer Armut, aber es wird uns niemand den Mut und die Kraft nehmen, diese Stadt trotzdem zu entwickeln. “
Ludwig Landmann entwickelt eine städtebauliche Vision: Frankfurt soll wachsen, zu einer blühenden, beispielhaften Wirtschaftsmetropole werden. Dafür werden zahlreiche Gemeinden eingemeindet, Platz für Betriebe beschafft, neue Straßen und Straßenbahnlinien aus dem Boden gestampft, die Messe umgebaut, die Großmarkthalle realisiert, der Linienbetrieb auf dem Flughafen aufgenommen, die erste Autobahn in Deutschland geplant (Hamburg – Frankfurt – Basel), Wohnanlagen für viele Menschen errichtet etc.
Drei weitere Namen stehen für den großen Aufbruch:
Ernst May, Architekt und Stadtplaner, wird von Landmann zum Stadtbaurat bestellt.
Er orientierte sich, wie viele reformorientierte Planer und Architekten zu Beginn des neuen Jahrhunderts, am Motto „Licht, Luft und Sonne“ als Basis für ein gesundes Leben. Das hieß gesunden Wohnraum in einem grünen, nicht beengten Umfeld zu schaffen.
Martin Elsässer, Architekt und Leiter des Hochbauamtes, entwarf vor allem aufsehenerregende Großprojekte, etwa die neue Frankfurter Großmarkthalle, aber auch Schulen, Kirchen, Schwimmbäder etc.
Bruno Asch war als Stadtkämmerer für die Finanzierung dieses riesigen Projektes in schwierigen Zeiten zuständig.
Ernst May war der Kopf des Projektes, bei ihm liefen alle Fäden zusammen. Mit zahlreichen kreativen, engagierten Mitarbeitern und wenigen Mitarbeiterinnen (Architekten, Technikern, Künstlern, Designern, Gartenplanern) wurde ein Konzept gegen die Wohnungsnot entwickelt, dessen Umsetzung für eine breite Bevölkerung finanzierbar sein sollte. Diese Siedlungen waren Teil eines architektonischen und gesellschaftlichen Reformprojektes zur Verbesserung der Lebensverhältnisse, gedacht war dabei vor allem an Arbeiterfamilien und kleine Angestellte.
In den geplanten Satellitenstädten außerhalb der engen Innenstadt entstanden zwei Drittel der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern, ein Drittel waren Einfamilienhäuser mit Garten, auch zur Selbstversorgung, manche mit Dach-terrassen. Es gab Bauprojekte, die den Massenbedarf an Kleinwohnungen decken sollten und solche, die Einfamilienhäuser realisierten. Die Wohnanlagen waren meistens niedriggeschossig, oft 3 bis 5 Stockwerke hoch. Sie verfügten über fließendes Wasser, Elektrizität, Zentralheizung, Einbauküche, sanitäre Einrichtungen.
Die Infrastruktur wurde parallel aufgebaut: So entstanden Räume für eine „neue Nachbarschaft“, Schulen und Kindergärten, die eine neue Pädagogik ermöglichten, Schwimmbäder, Grünanlagen, Gärten (für Gemüseanbau), ein Elektrizitätswerk, Fabriken und es wurden Anbindungen an die Stadt und die Fabriken gebaut. Ein unglaublicher Fortschritt im Vergleich zu den Wohnverhältnissen gerade der Arbeiterfamilien damals.
Die Architektur war radikal modern: flache Dächer, schlichte Fassaden, gerade Fensterbänder, standardisierte Grundrisse und Einrichtungen auf kleinem Raum, eingebettet in Grünanlagen und Gärten etc. Neue Techniken, wie der industrielle Plattenbau und Materialien wie Stahlbeton wurden nun massenhaft eingesetzt.
Dazu brauchte es viel Bauland und viel Geld in kurzer Zeit.
Wie wurde das alles finanziert?
Das war die Aufgabe des Stadtkämmerers Bruno Asch: Das notwendige Bauland war teilweise schon in städtischem Besitz, den Rest beschaffte sich die Stadt durch schnelle Enteignungen mit Entschädigungen unter dem Marktpreis, auch Eingemeindungen wurden weiterhin durchgeführt. Die Stadt selbst finanzierte 50% der Kosten für den Wohnbauten, bestehend zu 20% aus Eigenmitteln, 30% aus Darlehen und zu 50% aus Mitteln der der sog. Hauszinssteuer auf Wohnungseigentum. Diese Steuer wurde von 1924 – 1943 auf Wohneigentum erhoben, das vor Mitte 1918 entstanden war. Die Erträge gingen an Länder und Kommunen. Man argumentierte, dass die Schulden der Immobilienbesitzer durch die Inflation innerhalb kürzester Zeit weggefallen seien, weshalb sie nun einen Lastenausgleich gegenüber den Besitzlosen zahlen müssten.
Beteiligt waren außerdem die beiden städtischen Unternehmen Aktiengesellschaft für kleinen Wohnungen und Mietheim AG, sowie die einzige fast ausschließlich privatwirtschaftliche Hellerhof AG im Besitz von Philipp Holzmann.
Eine neue Gruppe auf dem Wohnungsmarkt: Alleinlebende, arbeitende Frauen
Im Jahr 1924 war ein Fünftel der Vollzeitangestellten Frauen. Die „Siedlungsgenossenschaft berufstätiger Frauen“ und der „Frauenwohnungs-förderverein“ waren die Träger von mehreren Baumaßnahmen in den Jahren 1927-1930. Es wurden dreigeschossige Wohnblöcke mit Flachdächern und umlaufenden Balkonen realisiert. Die Bauzeit betrug ein halbes Jahr. Das erste Wohnhaus wurde vor allem von Lehrerinnen bewohnt. Darüber hinaus entstand ein „Ledigenheim“: Günstige Einzimmerwohnungen für Arbeiterinnen und kleine Angestellte, mit Klappbett, Einbauschränken, kleiner Küche und Waschraum.
Eines der bis heute bekanntesten Ergebnisse des „Neuen Frankfurt“ ist die „Frankfurter Küche“. Die Idee war, auf kleinstem Raum (knapp 6,5 Quadratmeter Fläche) eine voll funktionierende Küche unterzubringen. Sie war als reine Arbeitsküche gedacht, getrennt vom Ess- und Wohnbereich, ausgestattet mit fließendem Wasser, Gas und Elektroenergie. Die moderne, oft auch berufstätige Frau (Haushalt war auch bei den fortschrittlichen Planern Frauenarbeit), sollte durch ein minutiös geplantes „Kochlaboratorium“ die „größtmögliche Leistung bei geringstem Arbeitsaufwand“ (damalige Werbung) entlastet werden. Die Fabrik mit ihren effizienten Arbeitsabläufen, geplant nach den Prinzipien des sog. Scientific Management (Taylorismus), war das Vorbild. Bei Planung und Ausführung der Küchen wurden die Arbeitswege genau protokolliert, analysiert und ein Konzept zur Rationalisierung und Optimierung der Arbeit erstellt. Die Küche bestand aus standardisierten Modulen, in Serie gefertigt, was die Herstellungskosten deutlich verringerte. (Das Prinzip kommt also nicht aus Schweden…)
Die Frankfurter Küche ist nicht nur eine Stil-Ikone, sondern auch der Urtyp der modernen Einbauküche. Geschätzt wurden ca. 10.000 dieser Küchen in Frankfurt eingebaut.
Zur gleichen Zeit wurde das Konzept des „Einküchenhauses“ (eine zentrale Küche für alle Bewohner eines Mehrfamilienhauses, gekocht wird für alle) viel diskutiert. Die Macher des „Neuen Frankfurts“ entschieden sich jedoch für das Modell der individualisierten Hausarbeit.
Der Skepsis gegenüber dieser neuen Küche begegnete May mit viel Öffentlichkeitsarbeit und dadurch, dass er die Architektin Magarete Schütte-Lihotzky in den Vordergrund schob: Dass es eine Frau war, die diesen typisch weiblichen Arbeitsplatz gestaltet hatte, sollte das Konzept für andere Frauen akzeptabler machen. Heute geht man davon aus, dass sie zwar wichtige Arbeiten zur Küche beisteuerte, das Ganze aber – wie so Vieles beim „Neuen Frankfurt“ - eine Teamleistung war. Das Etikett der Frankfurter Küche, klebte lebenslang an ihr – dem expliziten Kochmuffel. Da sie den Eindruck hatte, dass ihre anderen architektonischen Leistungen immer im Schatten der „Frankfurter Küche“ standen, betonte sie später immer wieder: „Ich bin keine Küche“.
Es blieb nicht bei der neuen Küche
„Ein Grundriss mag noch so organisch aufgebaut sein, die Abmessungen mögen noch so zweckmäßig berechnet werden, die ästhetischen Verhältnisse der Räume mögen noch so glücklich sein, im Augenblick wo der übliche minderwertige Hausrat seinen Einzug hält, schwindet die Harmonie.“ So sah es Ernst May.
Deswegen wurden neben standardisierten Bauteilen wie Fenster und Betonelementen passende Gebrauchsgegenstände wie Türklinken, Möbel, Geschirr, Uhren, Tapeten, selbst Gartenlauben etc. entwickelt. Hergestellt wurden sie teilweise in speziell dafür gegründeten Arbeitslosen-Gesellschaften, aber auch viele kleinere und mittlere Betriebe in Frankfurt wurden miteinbezogen. Auch überregionale und heute noch bekannte Firmen wie Junghans und Thonet waren beteiligt. Die Produkte wurden im „Frankfurter Register“ veröffentlicht und konnten bestellt werden.
Die Siedlungen des „Neuen Frankfurt“ hatten durchaus unterschiedlichen Charakter. Bei den einzelnen Projekten wurde – mehr oder weniger – versucht, das Bauland möglichst effizient zu nutzen. Es wurden kleinteilige räumliche Strukturen realisiert, z.B. in der „May-Siedlung“ hatte eine mehrköpfige Familie 80m2 Wohnfläche in einem Reihenhaus zur Verfügung.
Und obwohl viel Wert auf Normung gelegt wurde, spielten ästhetische Details eine große Rolle. Auch sollte jeder einen Blick ins Grüne genießen können: So wurden große Freiräume zwischen den Gebäuden, kleine Gärten, benutzbare Dächer und zahlreiche Grünflächen geplant.
Das ist doch Bauhaus - oder?
Was die Bekanntheit angeht, so hat das „Bauhaus“ dem „Neuen Frankfurt“ den Rang abgelaufen. Aber das neue Frankfurt“ war nie ein Ableger des Bauhauses. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten, gegenseitige Beeinflussungen, aber auch gravierende Unterschiede: Das Bauhaus war die Schule der Avantgarde, eine Ausbildungsstätte für Design, Kunst und Architektur. Das „Neue Frankfurt“ dagegen war die Idee und konkrete Umsetzung einer umfassenden Stadtentwicklung, die die grassierende Wohnungsnot durch sozialen Wohnungsbau lindern wollte nach den Vorstellungen des „Neuen Bauens“.
Umfassende Ziele
Alle Beteiligten und besonders die Architekten sahen sich als Erzieher der zukünftigen Bewohner. Die Siedlungen mit Gemeinschaftsangeboten, die durchgestalteten, „idealen“ Wohnbereiche sowie eine funktionierende Infrastruktur, sollten den „Neuen Menschen“ formen und schließlich auch den Klassengegensatz zwischen Arbeiterklasse und Bürgertum nivellieren.
Der Gestaltungswille umfasste fast alle Bereiche des Lebens der Bewohner, darunter Straßenschilder, Straßenbahnhaltestellen, Grabsteine, Leuchtreklamen, Garten- und Parkanlagen. Auch Kleingärten, Gartenlauben, Spielplätze wurden genau geplant auf ihre ästhetische und soziale Funktion hin. So sollten die Hecken in den Kleingärten z.B. nicht höher als 80cm sein, um Nachbarn zu Gesprächen miteinander zu animieren.
Die Umerziehung der Menschen wurde nicht von allen Bewohnerinnen und Bewohnern begeistert aufgenommen. Dafür wurde May auch schon mal als „Mussolini der Architektur“ dargestellt und die Siedlungen umbenannt in „Zickzackhausen“ und „Neu Marokko“.
Das Fremdeln mit der neuen strengen, rationalen Architektur brach sich aber auch Bahn: So wurde die heute museal geadelte „Frankfurter Küche“ (MOMA, New York, Victoria and Albert Museum, London) öfter mal umgebaut, um doch noch ein Buffet unterzubringen, und die Tür zum Wohnzimmer zugemauert, um mehr Stellfläche zu bekommen.
„Es kann ja auch werden wie in den Frankfurter Siedlungen, wo die Leute mit ihren grünen Plüschsofas ankommen. […] Aber hoffen wir, dass das Haus sie adelt“ kommentierte Kurt Schwitters leicht resigniert.
Die politische Idee war, dass Wohnraum günstig, für Viele und gerade für die unteren Schichten erschwinglich sein muss. Dazu nicht profitorientiert. In der Realität zeigte es sich, dass Familien der unteren Einkommensschichten nicht das Gros der Mieter darstellten, sondern Facharbeiter, Angestellte, städtische Beamte. Die Mieten waren für Menschen mit geringem Einkommen immer noch zu hoch, wohl auch wegen des hohen Qualitätsanspruchs.
Das Ende
Durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise gestaltete sich die weitere Finanzierung äußerst schwierig. Dazu kam die politische Entwicklung: Die städtischen Unterstützer gingen zunehmend auf Distanz und der Druck der erstarkenden Nationalsozialisten gegen dieses „undeutsche“ Stadtprojekt verstärkte sich bis zum Stillstand. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zerstreuten sich, viele emigrierten, manche passten sich an.
Was geschah mit Ludwig Landmann, Bruno Asch und Ernst May?
Sie waren nicht nur die treibenden Kräfte des „Neuen Frankfurt“. Ihr Schicksal wurde zusätzlich verschärft, weil sie (säkulare) Juden waren. Asch floh in die Niederlande und nahm sich beim Einmarsch der deutschen Truppen das Leben, seine Töchter wurden in einem Vernichtungslager ermordet. Der visionäre Oberbürgermeister Landmann, dem Frankfurt so viel zu verdanken hatte, musste ebenfalls emigrieren. Auch er floh in die Niederlande und starb 1945 kurz vor der Deportation in ein KZ in einem Versteck an Hunger und Herzschwäche.
Nachdem es keine Weiterarbeit für Ernst May in Frankfurt gab, nahm er ein Angebot aus Moskau an, Chefingenieur für den Städte- und Siedlungsbau in der Sowjetunion zu werden. Die „Brigade May“ - Teile seines Frankfurter Mitarbeiterstabes, darunter auch Margarete Schütte-Lihotzky - begleiteten ihn. Sie bauten bis Ende 1932 an mehr als zwanzig Orten riesige Siedlungen mit standardisierten, vorfabrizierten Materialien. Es zeigte sich aber bald, dass neue Vorstellungen vom Bauen hier nicht zu realisieren waren. Die Gruppe fiel auseinander, fast alle reisten aus, May 1933 nach Afrika. Nach dem Krieg konnte er in Deutschland als Architekt wieder Fuß fassen.
Margarete Schütte Lihotzky blieb bis 1937, ging schließlich wieder nach Wien. Wegen ihrer Arbeit im Widerstand wurde sie verhaftet und erst 1945 befreit.
Was bleibt vom Neuen Frankfurt auch heute nachdenkenswert?
In Frankfurt gab es den politischen Willen, die Stadt in eine neue, moderne Metropole zu entwickeln. Diese gigantische Aufgabe, die fast alle Lebensbereiche betraf, wurde von der entsprechend strukturierten Stadtverwaltung gesteuert. Dazu gehörten neben dem Wohnungsprogramm neues Industrie-Design, Einflüsse auf Film, Mode, Fotografie auch - und nicht zuletzt - die Entwicklung wirtschaftlicher Prosperität.
Durch serielles Bauen konnten die Baukosten deutlich gesenkt und die Bauzeiten verkürzt werden. Anders als nach dem 2. Weltkrieg wurde eher kleinteilig gebaut. Die Innenräume waren eher klein zugunsten von grünen Freiflächen angelegt.
Eine durchdachte Infrastruktur mit Schulen, die eine „Neue Pädagogik“ ermöglichten, Gemeinschaftsräumen, Grünflächen, verkehrsmäßiger Anbindung an Stadt und Arbeitsplatz etc. war von Beginn an eingeplant. Möglichkeiten, Kontakt zu Nachbarn aufzunehmen, sich zu informieren (Radio!) und sozial aktiv zu werden, wurden explizit gefördert.
Bürgerbeteiligung bei der Außen- wie Innengestaltung war aber nicht vorgesehen, schließlich „wussten“ die Architektinnen und Architekten besser, was gut und richtig für den „Neuen Menschen“ war. Die Häuser sollten die Menschen verändern. Diese als Überheblichkeit und Bevormundung empfundene Haltung provozierte Widerstand und verhinderte auch flexiblere Lösungen. Viele der Häuser und Wohnungen sind aber noch heute bzw. schon wieder begehrt, manche Mietverträge haben sich über mehrere Generationen „vererbt“.
Wohnen wurde als Menschenrecht gesehen. Es ging nicht um Wohnung als Ware oder um die Rendite, sondern um das Gemeinwohl.
Vielleicht haben Sie jetzt das Gefühl, dass Sie sich zum Schluss einen Kaffee oder Tee verdient haben? Schauen Sie sich in Ihrer Küche um: Sie werden vermutlich Vieles von dem, was Sie gelesen haben, wiedererkennen.
Auch wenn die „Frankfurter Küche“ sehr bekannt wurde, es lohnt es, sich mit dem gesamten gigantischen Stadtentwicklungsprojekt „Neues Frankfurt“ zu beschäftigen, denn „Ich bin keine Küche!“
Dipl. Psych. Claudia Spurk hat an der Universität Mannheim Psychologie, Pädagogik und Soziologie studiert. Sie war über dreißig Jahre als selbständige Trainerin, Coach und Organisationsentwicklerin tätig, bevor sie Mitinhaberin des Verlags: J.G. Seume wurde. Sie schreibt für die Zeitschrift OPUS, das spartenübergreifende Kulturmagazin für die Großregion Saar-Lor-Lux, Rheinland-Pfalz, Rhein-Main und Rhein-Neckar.
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